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EBSW - Wort auf den Weg 3/2015

Mein Lieblings-Adventslied

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie auch ein Lieblingslied – jetzt für den Advent? Ein Lied, das Sie gerne hören oder singen? Ein Lied, auf das Sie schon das ganze Jahr gewartet haben? Ich denke, da gibt es nicht nur eins, auch nicht für mich. Aber ein Adventslied von Jochen Klepper ist mir besonders ans Herz gewachsen.

„Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.“

Ja, dieses Lied muss es sich nicht nachsagen lassen, nur eine heile Vorweihnachtszeit und -welt vorzugaukeln, die mit dem Leben und Alltag so gut wie gar nichts zu tun hat. Hier hat das Leben mit all seinen dunklen Seiten ebenfalls seinen Platz: mit schlaflosen Nächten, in denen Tränen von Angst, Kummer und Trauer fließen, mit Schuldgefühlen und wirklicher Schuld, mit Leid, mit dem Eindruck, Gott wohnt weit weg, in einer dunklen Wolke. All diesem Dunkeln steht aber auch das Licht gegenüber: nämlich dass Gott sich nicht abwendet, dass er in dem Kind, dem Menschen Jesus Christus zu uns kommt, dass er sich all des Dunklen annimmt, dass er menschliches Leid, Schuld und Versagen mit Gnade und Liebe beantwortet. Und das schafft neues Vertrauen, das tröstet.

Ich weiß nicht mehr so genau, warum dieses Lied mich schon als Achtzehnjährigen angesprochen hat. War es die Tatsache, dass die Angst, das Augenlicht zu verlieren, mich schon in meiner Kindheit begleitete? Oder die Frage, wie Gott mit mir zufrieden sein kann? Und dass ich gerade damals erkannt habe, dass Gott mir durch Jesus Christus etwas sehr Wertvolles geschenkt hat, das mir hilft, mit diesen Fragen und Ängsten fertigzuwerden, eine Antwort zu bekommen oder einfach damit zu leben? Jedenfalls gab es später, vor bald zwanzig Jahren, eine sehr dunkle Zeit in meinem Leben, wo ich um mein Augenlicht, meine begonnene Ausbildung im Pfarrdienst und meinen Glauben wirklich Angst haben musste. Nach einem Glaukom-Anfall lag ich fast ein Vierteljahr in Erlangen in der Augenklinik. Im Zweiwochenabstand erfolgten drei Operationen, um mein einzig brauchbares Auge noch zu retten. Gerade in der Adventszeit, als Hoffnung und Geduld schon zur Neige gehen wollten, hatte ich dieses Lied von Jochen Klepper noch als einzigen Schatz. Es begleitete die schlaflosen Nächte voller Tränen und Alpträume – das Lied eines Menschen, der selbst durch schlimme Abgründe gehen musste, die ihn tragischerweise auch überwältigt haben. Aber das Lied sagte mir, Strophe für Strophe, zu: Gott ist auch bei dir. Er hat seinen Sohn auch zu dir geschickt und für dich Mensch werden lassen.

„Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr
von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, und kommen Sie bitte gut und gesegnet ins Neue Jahr!

Werner Ambacher

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 10.4.2018