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EBSW - Wort auf den Weg 2/2015

„Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich
und gibst meiner Seele große Kraft.“ (Psalm 138,3)

Liebe Mitglieder und Freunde des EBSW!

Bei „anrufen“ denken wir heute wohl gleich ans Telefonieren. Vielleicht ist da eine gewisse Parallele zum Beten: Ist der andere auch da, wird er den Hörer abnehmen, wird er mir zuhören?

Beten ist ein Wagnis. Schon wenn ich damit anfange, kann sich eine zweifelnde Stimme in mir regen: Glaubst du wirklich, dass Gott dich hört? Gerade jetzt, wo es dir schlecht geht, da brauchst du Gott. Wird er dich überhaupt erhören?

Beten ist ein Abenteuer. Ich gehe auf einen Weg, dessen Ziel ich nicht kenne. Ob Gott hört, kann ich nicht nachprüfen. Ob er tut, was ich mir wünsche, ist ungewiss. Dass ich ihn höre, ist eher selten.

Wir haben wohl alle manchmal ein wirtschaftliches Verhältnis zum Beten: Also Gott, ich bete zu dir, aber dann beweise mir auch, dass es dich gibt und tue, was ich von dir will. Doch so wird es nichts mit dem Beten.

Beten ist Beziehung. Sie ist nicht berechenbar, sondern lebendig. Sie lebt vom Du des Gegenübers, vom Wir des Miteinanders, von gemeinsamen Überzeugungen und von Treue und Vertrauen, auch in schwierigen Zeiten.

Beten ist Freundschaft pflegen. Von Mose (2. Mose 33,11) heißt es: „Gott redete mit Mose, wie ein Mann mit seinem Freund redet.“ Das gilt natürlich auch umgekehrt. Wir müssen keine bestimmten Formen einhalten, wir dürfen reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Aber Respekt und Achtung dem andern gegenüber gehört dazu. Wir dürfen nicht einfach fordern: Jetzt zeig, dass du mein Freund bist, weil ich dich jetzt brauche. Das würden wir uns auch nicht gefallen lassen.

Freundschaft pflegen bedeutet auch: Ich interessiere mich für das, was dir wichtig ist. Ich freue mich, wenn du für mich da bist, aber ich will auch für dich da sein. Sag mir, was du dir von mir wünschst, ich will es ernst nehmen und versuchen, es zu erfüllen. Freundschaft ist Gegenseitigkeit. Auch zwischen Gott und mir.

Beten ist auch Vertrauen: Selbst wenn sich Gott nicht sofort meldet, wenn er meinen Wunsch nicht oder nicht gleich erfüllt, oder wenn er anderer Meinung ist: Ich erkläre deswegen nicht gleich die Freundschaft für beendet. Damit würde ich mir die wertvollste Freundschaft nehmen, die ich habe: ein Gegenüber, das mich kennt und versteht.

„Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich“, betet vertrauensvoll der Psalmsänger und wir denken womöglich weiter: Wunderbar, Gebet erhört! Doch da steht nichts von Wunscherfüllung! Es geht weiter mit: „Du gibst meiner Seele große Kraft.“ Um den Wunsch zu realisieren? Um den richtigen Weg zu finden? Das ist nicht das Entscheidende. Das Wichtige ist: Lebenskraft gewinnen, Hoffnung, Mut, Glaubensgewissheit. Das Wichtige ist: Aus dem Gebet Kraft zu gewinnen für das, was jetzt dran ist. Da sind wir nahe beim Erwachsensein: Eigene Entscheidungen zu treffen, verantwortlich und – auf Herz und Verstand gleichermaßen bezogen – Gebet als Lebenskrafttanken.

Seien Sie herzlich gegrüßt
Evelyn Helle

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 10.4.2018