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EBSW - Wort auf den Weg 2/2014

Liebe Leserinnen und Leser!

Es ist August! In Tübingen, der kleinen Universitätsstadt am Neckar, in der ich lebe, kehrt jetzt Ruhe ein. Die Studierenden sind fort und auch die Schüler und Schülerinnen mit ihren Familien. Ich habe Zeit hinauszugehen. Ich freue mich am Sommer, so wie Paul Gerhardt es uns in seinem bekannten Sommerlied empfiehlt:

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerszeit
an deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.“

Paul Gerhardt nimmt uns an die Hand und geht mit uns spazieren durch Gottes Schöpfung: die Bäume voller Laub, die Blumen in ihrer Pracht, der Schwung der Lerche und die Stimme der Nachtigall, das Bächlein und die Wiesen, das Lustgeschrei der Schafe – und ihrer Hirten ... . Die ganze Natur bewegtes, klingendes, überschäumendes Leben.

Was für ein Gegensatz zu dem, was Paul Gerhardt oft auch erleben musste: die Folgen des Dreißigjährigen Krieges mit seinen vielen Toten. Auch privat hatte der Liederdichter viel Leid zu tragen: Vier seiner fünf Kinder sind bereits im ersten Lebensjahr gestorben. Anna Maria, seine Frau, erkrankte an Tuberkulose und litt unter Schwermut.

Seitdem ich von seiner Not weiß, singe ich das Lied von Paul Gerhardt anders. Ich stelle mir vor, wie er versucht, seine Frau mit diesem Lied herauszulocken aus ihrer Schwermut: „Geh aus dir heraus, mein Herz, und verharre nicht in deinem Kummer! Du bist nicht allein. Gott hat dich in einen Garten gesetzt, als er dich schuf. Schau an, die Lilien auf dem Felde. Sieh, die Vögel unter dem Himmel. Und denk erst an den himmlischen Garten, der uns einst erwarten wird“:

„Welch hohe Lust, welch heller Schein
wird wohl in Christi Garten sein!
Wie muss es da wohl klingen ...“

„O wär ich da! O stünd ich schon,
ach, süßer Gott, vor deinem Thron,
und trüge meine Palmen ...“ (Strophen 10 - 11)

Eine fast mystische Sehnsucht nach dem Paradies klingt hier durch, die angesichts der Not des Dichters sehr verständlich ist. Doch Paul Gerhardt verliert sich nicht in dieser Sehnsucht. So wie er uns zu Beginn des Liedes in den Garten geführt hat, so führt er uns dann wieder zurück auf die Erde, zu dem Platz, den Gott uns hier bestimmt hat:

„Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzeln treiben (Strophe 14)

Die geliebte und besungene Natur wird zu einem Bindeglied zwischen dem harten Leben hier und der himmlischen Zukunft dort. Ja, wir selber werden Teil dieser verbindenden Natur, werden zum treibenden Baum und zur blühenden Blüte und können so den Segen Gottes empfangen:

„Hilf mir und segne meinen Geist,
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
dass ich dir stetig blühe ...“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Stunden und Tage in diesem Sommer genießen können, mit Leib und Seele.

Einen gesegneten Sommer!
Beate Schröder

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 9.1.2018