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EBSW - Wort auf den Weg 1/2014

Liebe Leserinnen und Leser,
 
diesen Text schreibe ich kurz vor dem 2. Februar, einem Feiertag, der in Vergessenheit zu geraten droht: „Mariä Lichtmess“. An diesem Tag geht die Weihnachtszeit zu Ende. Die Weihnachtskrippen werden wieder abgebaut. Der Feiertag hat seinen Namen von Maria, die nun wieder aus den Krippen in die Dunkelheit der Aufbewahrung geht, und von der Weihe der Kerzen, die an diesem Tag stattfindet. Die Kerzen symbolisieren das Licht, das mit Jesus an Weihnachten in die Welt gekommen ist. Das Licht, das uns Menschen unseren Alltag hell machen möchte. Das Licht, das auch während der Zeit des Leidens, der Zeit der Passion, nicht verlöschen wird. So wie es Maria erlebt hat, jene Frau, mit der wir evangelischen Christen uns so schwer tun.

Ich werde nicht müde, ein Erlebnis immer wieder zu erzählen. Es war im Jahr 1983 in Seoul. Damals herrschte eine brutale Diktatur in Südkorea. Wir saßen mit Frauen und Männern zusammen, deren Angehörige durch brutale Vertreter der Diktatur gefoltert worden waren, weil sie gegen soziale Ungerechtigkeiten und Willkür der Staatsmacht demonstriert hatten. Eine Mutter berichtete, dass sie ihren Sohn nach drei Wochen Gefängnis nicht wieder erkannt hat. So sehr war er durch die Folter entstellt worden. Ich fragte: „Wie hält man das als Vater, als Mutter aus?“ Und da sagte eine andere Mutter: „Christus kommt und mit ihm sein Reich - oder?“ Und jene erste Mutter ergänzte: „Uns geht es wie Maria. Sie hatte wohl auch Angst um ihr Kind. Sie konnte vielleicht auch, wie wir bei unseren Kindern, den Weg ihres Sohnes nicht verstehen. Aber sie ging ihn mit. Bis unters Kreuz. Im Nachhinein, an Ostern, hat sie erfahren, es war der richtige Weg, der Weg, der aus der Dunkelheit dieser Welt ins Licht des Lebens führt.“

„Christus kommt und mit ihm sein Reich, oder?“ Was für eine Adventspredigt, eine Zukunftshoffnung mitten im Leiden. „Uns geht es wie Maria.“ Was für ein Vertrauen, gehalten zu werden wie sie durch diese Zeit der Passion, des Nichtverstehens dessen, was einem zum Erleben auferlegt worden ist. „Uns geht es wie Maria“, was für eine Hoffnung, wie sie im Nachhinein zu erfahren: Es ist der Weg, der in so ganz Neues geführt hat. Der Weg mit Jesus, der am Kreuz gerufen hat: „Mein Gott, mein Gott, warum – wozu – hast du mich verlassen?“ Wenn er, dann dürfen wir das auch. Im Nachhinein hat er erfahren, ich war ja nicht verlassen. Bei mir war der Vater. Mit ihm war das Leben – Ostern, ganz Neues. Was für ein Erleben für Maria nach der Kreuzigung ihres Sohnes: seine erlebte Verheißung: „Ich lebe und ihr werdet – sollt - auch leben!“ (Johannes 14,19) Das, liebe Leserinnen und Leser, das ist die Zukunft, die uns nichts und niemand nehmen kann.

Gotthilf Baumann

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 26.9.2018