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EBSW - Wort auf den Weg 3/2008

„Augenblick“

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Titel trägt unsere Wanderausstellung: „Augenblick“. Studierende der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart haben aus Gesprächen und Begegnungen mit sehbehinderten und blinden Menschen gewonnene Eindrücke in Bilder und Texte umgesetzt. Augenblicke aus dem Alltag der Betroffenen zeigen die großartigen Bilder. Augenblicke, die doch eine ganze Geschichte erzählen. Die so unendlich viele Stunden zwischen Bangen und Hoffen, Verzweiflung und Freude, Hilflosigkeit und Stärke beinhalten. Da steht er auf der Treppe, der Mann auf dem Plakat, mit seinem weißen Stock. Sein Kopf dreht sich zur Seite, als wollte er die vorbeihastenden Zeitgenossen einladen, doch inne zuhalten. Zu sehen, was da mit einem Menschen auf der Treppe steht.

„Augenblick“ steht in großen Buchstaben auf dem Plakat. Einladen möchten die jungen Künstler damit, stehen zu bleiben. Sich die Zeit zu nehmen und zu lesen, was da in kleiner Schrift noch auf dem Plakat und in der Ausstellung als Bildbeschreibung neben den Bildern steht. Schwer zu lesen. Nur mit Mühe zu erkennen. So wie es Menschen beim Lesen ergeht, die sich im Schwinden ihrer Sehkraft vorfinden.

Ob sich die Menschen einladen lassen, den Mann auf der Treppe wahrzunehmen? Oder dort, die junge Frau mit ihrem Blindenhund zu sehen, der sie exakt auf den Gehweg leitet? Oder auf dem Bahnhof jene, mit ihrer sprechenden Uhr? Sie kann das Zifferblatt nicht sehen. Ob sich die Menschen einladen lassen, sehbehinderte Menschen beim Einkaufen wahrzunehmen? Und ihnen zu helfen bei den Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben? Um dann beschenkt zu werden damit, das eigene Leben in Dankbarkeit neu annehmen zu können. Beschenkt zu werden mit dem Erkennen, dass Sehbehinderung und Blindheit vieles unendlich schwer machen und nicht gestatten, wie sehende Menschen am Leben teilzunehmen.

Dass Sehbehinderung und Blindheit aber dennoch sinnvolles Leben für sich und wertvolles Dasein für andere nicht verhindern können. Das ist meine Erfahrung, wer sich darauf einlässt, der wird beschenkt mit neuer Hoffnung im Denken an die eigene Zukunft.

„Augenblick“ - da ist ja noch ganz anderes, das es bei so vielen sehbehinderten und blinden Menschen zu erkennen und zu erleben gibt. Wie sie sich immer wieder zusammen mit ihren Angehörigen, in einer getrosten Zuversicht vorfinden. Eine Zuversicht, die sie sich nicht selbst geben können. Und in einer Kraft, die sie den nächsten Schritt wagen lässt. In einer Hoffnung auf ganz Neues, wo andere meinen, alles sei hoffnungslos geworden. Dass sie anderen Worte des Trostes sagen können, obwohl ihnen selbst so schwer ums Herz ist. Dass sie andere mitnehmen können in das Kommende, wo doch alles in Dunkel verhüllt bleibt. Und auch, wie sie oft besser fühlen als sehende Menschen – „mich umgibt noch eine ganz andere Wirklichkeit: die Wirklichkeit Gottes.“ Die sie hinein nimmt in eine Liebe, die ihnen durch andere Menschen und deren Nähe und Fürsorge begegnet. Die Wirklichkeit, die manches von ihnen das Leben in dunkelster Nacht im Lichte Gottes neu hat sehen lassen.

Dieses Wunder habe ich, liebe Leserinnen und Leser, in meiner Zeit als Vorsitzender des EBSW durch sehbehinderte und blinde Menschen erfahren dürfen. Das war auch für mich immer wieder Stärkung meines Vertrauens in die Wirklichkeit Gottes. In ihr darf auch ich den Rest meines Lebens und das Leben der Menschen, die mich begleiten, geborgen wissen. Dafür bin ich dankbar.

Ich danke Pfarrer i.R. Manfred Bittighofer, dass er sich bereit erklärt hat, in diese „Lebensschule“ des Vorsitzenden des EBSW einzutreten und wünsche ihm den Segen Gottes, der über sein Nachdenken, Reden und Tun dann Ihnen, liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde des EBSW, zum Erleben werden möchte.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Gott lasse Ihnen zu jeder Zeit zufließen, was Sie benötigen, um das Schöne des Augenblicks genießen und anderes tragen und ertragen zu können. Ich grüße Sie mit dem Wort des Auferstandenen: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage.“

Ihr Gotthilf Baumann

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