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EBSW - Wort auf den Weg 2/2008

Immer wieder begegnet mir in Gesprächen das Thema der getrennten Kirchen und der Ökumene. Die Christen sind gewiss: eigentlich gehören wir zusammen. Und persönlich haben wir keine Schwierigkeiten mit Christen der anderen Kirche(n).

Was aber wäre unser Ziel? Die Kirchenvereinigung, die Einheitskirche?

Ich selber habe ein Jahr lang in einem katholischen Kloster mitgelebt und habe die katholische Kirche sehr zu schätzen gelernt. Aber ich habe auch gespürt: katholisch werden will ich nicht. Zu mir passt einfach „meine“ evangelische Kirche.

Aber die Versöhnung und Anerkennung, auch die Wertschätzung der Kirchen untereinander wäre mir wichtig. Als Bild für die Ökumene liegt mir die Familie am nächsten. Als Vater dreier Söhne weiß ich: die Kinder sind verschieden. Sie sollen gar nicht gleich sein. Sie kommen von den gleichen Eltern, und sie sehen sich ähnlich. Es gibt Phasen, da streiten sie furchtbar, aber ich hoffe auf die Zeit, die ich als Erwachsener mit meinen Geschwistern erlebe: wir achten, wir mögen uns, wir freuen uns, wenn wir Zeit gemeinsam haben. Geschwister zu haben ist für mich heute sehr wertvoll.

Haben Sie meinen Wunsch für die verschiedenen Kirchen geblickt? Sie sollen nicht in allem gleich sein, sich aber ähnlich sehen. Denn sie kommen vom Selben her, von Jesus Christus, dem Herrn der Kirche; zusammen sind sie Leib Christi. Und ich hoffe, dass wir die Phase des heftigen Streites hinter uns haben und immer mehr spüren, wie gut es ist, einander zu haben. Wo Not ist, helfen wir uns gegenseitig. Und wo wir verschiedener Meinung sind, da versuchen wir einander zu verstehen und zu achten.

Versöhnte Verschiedenheit könnte man dazu sagen. Die gibt es auch hoffentlich innerhalb einer Kirche oder einer Gemeinde. Dass es die Verschiedenheit geben muss, liegt daran, dass wir ganz unterschiedliche Erfahrungen im Glauben machen.

Manche kennen vielleicht die Geschichte von Nikos Kazantzakis. Der schreibt von einem kleinen Dorf in der Wüste. Alle Einwohner dieses Dorfes waren blind. Eines Tages kam dort ein großer König mit seinem Heer vorbei. Er ritt auf einem gewaltigen Elefanten. Die Blinden hatten viel von Elefanten erzählen hören. Sie wurden von einer heftigen Lust befallen heranzutreten und den Elefanten des Königs berühren zu dürfen und ihn zu untersuchen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was das für ein Ding sei. Einige von ihnen – vielleicht waren es die Gemeindeältesten – traten vor und verneigten sich vor dem König und baten um die Erlaubnis, seinen Elefanten berühren zu dürfen. Der eine packte ihn beim Rüssel, der andere am Fuß und ein dritter an der Seite. Einer reckte sich hoch auf und packte das Ohr, und wieder ein anderer durfte einen Ritt auf dem Rücken des Elefanten tun. Entzückt kehrten alle ins Dorf zurück und die Blinden umringten sie und fragten eifrig, was denn das ungeheuerliche Tier Elefant für ein Wesen sei.

Der erste sagte: „Er ist ein großer Schlauch, der sich hebt und senkt, und es ist ein Jammer um den, den er zu packen kriegt.“ Der zweite sagte: „Es ist eine mit Haut und Haaren bekleidete Säule.“ Der dritte sagte: „Es ist wie eine Festungsmauer und hat auch Haut und Haare.“ Der, der ihn am Ohr gepackt hatte, sagte: „Es ist keineswegs eine Mauer, es ist ein dicker, dicker Teppich, der sich bewegt, wenn man ihn anfasst.“ Und der letzte sagte: „Was redet ihr für Unsinn? Es ist ein gewaltiger Berg, der sich bewegt!“

Geblickt? Wir machen unterschiedliche Glaubenserfahrungen. Und Gott ist größer als die Erfahrung eines Menschen – Gott sei Dank.

In diesem Sinn hoffe ich auf versöhnte Verschiedenheit, zwischen einzelnen Christen, und auch in der Ökumene.

Hartmut Bullinger, Schwäbisch Hall

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