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EBSW - Wort auf den Weg 1/2008

Aus den USA stammt das erfolgreichste Online-Spiel der Welt mit weltweit mehr als zehn Millionen Mitgliedern. Das Spiel heißt „Second Life“-„zweites Leben“. Und der Reiz des Spiels liegt auf der Hand: Eine zweite Identität anzunehmen und mit dieser parallel zum richtigen Leben ein zweites Leben zu führen – virtuell zwar, aber für viele schon sehr wirklichkeitsnah. Man kann Geschäfte machen, Freundschaften schließen, auf der Bildfläche aufkreuzen und einfach wieder verschwinden. Im „Second Life“ kann man also alles das haben und sein, was im richtigen Leben nicht so einfach zu sein und zu haben ist. Ist „Second Life“ also deshalb so beliebt, weil es scheinbar die Erfüllung all unserer Träume und Visionen ermöglicht? Ist das dann das wahre Leben, wenn alles möglich wird, alle Wünsche in Erfüllung gehen?

Wie viele Menschen suchen tatsächlich auch ohne das Online-Spiel nach dem wahren Leben und glauben, es dann zu finden, wenn sie alle Möglichkeiten des Lebens ausschöpfen und denken, das wahre Sein läge im Haben bzw. im immer mehr Haben ....

In der Jahreslosung Johannes 14,19 spricht Jesus auch vom Leben, als er seinen Jüngern sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ Was für ein Leben meint Jesus? Redet er da etwa auch von so einer Art „Zweitem Leben“, einem besseren Leben im Jenseits, in dem dann alles das in Erfüllung geht, was hier unerfüllt blieb?

Mit den Worten „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ verabschiedet Jesus sich von seinen Jüngern, aber nicht so, wie wir uns oft voneinander verabschieden, mit einem flüchtigen „Tschüss“ oder „Man sieht sich ...“. Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern mit einem einzigartigen Versprechen, einem Versprechen, das deshalb so einzigartig ist, weil es entgegen allem Augenschein nicht gebrochen wird, sondern bestehen bleibt – ein für allemal. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“, das sagt Jesus nämlich, obwohl er schon weiß, dass er bald festgenommen, verurteilt und gekreuzigt wird. Den eigenen Tod vor Augen sagt er: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“. Das klingt verrückt, und ist es auch, denn Jesus ver-rückt hier wirklich etwas – nämlich die Grenze von Leben und Tod. Der Tod ist nicht mehr das Ende unseres irdischen Lebens, sondern der Übergang zu einem neuen Leben bei Gott.

Jesu Versprechen beim Abschied ist aber keine Vertröstung auf das Jenseits, sondern eine Hoffnung über den Tod hinaus und zugleich eine Ermutigung, schon jetzt und hier etwas von dem Leben, das Jesus verspricht, zu erleben. Dieses Leben ist schon jetzt und hier möglich, wo wir auf Jesus schauen, auf sein Leben, und vor allem, wie er den Menschen gezeigt hat, was wahres Leben ist – Leben, so wie es Gott für uns gedacht hat: Leben ohne Angst, zu kurz zu kommen, Leben ohne den Zwang, alle Möglichkeiten, die das Leben bietet, ausschöpfen zu müssen. Leben, so wie Gott es uns vom ersten Moment an schenkt und anbietet, ist etwas anderes als hetzen und jagen, raffen und festhalten. Das Leben, von dem Jesus spricht, beginnt gerade erst da, wo wir alles loslassen, um es Gott in die Hand zu legen und ihm anzuvertrauen, wo wir unser ganzes Leben in Gottes Hand legen und vertrauen, dass er uns gibt, was wir zum Leben brauchen. Und das, was Gott uns schenkt, das Leben aus seiner Hand und unter seinem Segen, das kann uns nichts und niemand wegnehmen - auch nicht der Tod - das bleibt, auch wenn wir einmal sterben. Denn Jesus hat es uns versprochen und er hat es gehalten: „Weil ich lebe, werdet ihr auch leben“. Und so wie Jesus auferstanden ist, werden auch wir einst auferstehen zum neuen Leben in Gottes Nähe und Frieden.

Was Jesu Worte der Jahreslosung 2008 ganz konkret für unser Leben bedeuten können, hat ein Schüler sehr schön „auf den Punkt“ gebracht: „Jesu Worte bedeuten für mich: Nach dem Leben erfolgt kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt!“ Wie es nach dem Doppelpunkt aussieht, weiß keiner, aber wer bei uns ist und bleibt: unser Herr Jesus. Daran dürfen wir festhalten. Und das allein genügt.

Ihre Susanne Gaißer

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