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EBSW - Wort auf den Weg 3/2007

Wo ist Gott? Wo finden wir ihn? Muss man in einer bestimmten feierlichen Stimmung sein, um ihn zu spüren? Sich irgendwie vorbereiten auf die Begegnung mit ihm? Dazu gibt es eine Geschichte, die ich sehr gern mag.

Ein Mann erfuhr, dass Gott zu ihm kommen wollte. „Zu mir?“ schrie er. „In mein Haus?“ Er rannte in alle Zimmer. Er lief die Stiegen auf und ab. Er kletterte zum Dachboden hinauf, er stieg in den Keller hinunter. So viel Schmutz und Durcheinander! „Unmöglich!“ schrie er. „In diesem Dreckstall kann man keinen Besuch empfangen. Alles voller Gerümpel. Kein Platz zum Ausruhen. Keine Luft zum Atmen“. Er riss Fenster und Türen auf. „Brüder! Freunde!“ rief
er. „Helft mir aufräumen, irgendeiner! Aber schnell!“ Er begann sein Haus zu kehren.

Durch dicke Staubwolken sah er, dass ihm einer zu Hilfe gekommen war. Sie schleppten das Gerümpel vors Haus, schlugen es klein und verbrannten es. Sie schrubbten die Stiege und Böden. Sie brauchten viele Kübel Wasser, um die Fenster zu putzen. Und noch immer klebte der Dreck an allen Ecken und Enden.

„Das schaffen wir nie“, schnaufte der Mann. „Das schaffen wir“, sagte der andere. Sie plagten sich den ganzen Tag. Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch. „So“, sagte der Mann, „jetzt kann er kommen, mein Besuch! Jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?“

„Aber ich bin ja da“, sagte der andere und setzte sich an den Tisch. „Komm und iss mit mir“.

So, das war die Geschichte. Gott ist schon da, sagt sie uns, und er braucht gar keine besondere Einladung, keine feierliche Stimmung, kein aufgeräumtes Herz. Er weiß, wie es mir geht, wenn es in meinem Inneren so aussieht wie in dem Haus von dem Mann. So viel Gerümpel, so viel Ungeklärtes, Unaufgeräumtes.

Und er packt mit an. Mit seiner Hilfe schaffe ich sogar das Aufräumen. Dann kann ich mich wohler fühlen, für ihn ist es vielleicht gar nicht so wichtig, dass alles am richtigen Platz ist.

Er macht mir Mut, wenn ich denke, alles wächst mir über den Kopf. Das schaffen wir schon, sagt er, wenn ich aufgeben will. Und die Geschichte hilft mir, wenn ich denke: Jetzt muss ich noch Das und Jenes erledigen, das muss ich noch hinter mich bringen, und dann, dann kann ich aufatmen, dann komme ich zur Ruhe, dann habe ich Zeit für die wesentlichen Dinge, auch für Gott. Aber ich bin ja da, sagt der dann, ich war die ganze Zeit schon da, ganz besonders in der Zeit, als du dich selbst nicht spüren konntest vor lauter Sorgen. Aber setz` dich jetzt mal hin und iss mit mir.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit: dass Sie Gottes Nähe spüren, im Alltag, in der Vorbereitungszeit für Weihnachten, in der Arbeit, in der Stille.

Ihre Ilse Häußer

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 10.4.2018