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EBSW - Wort auf den Weg 1/2007

Sehr geehrte, liebe Leserinnen und Leser dieses Rundbriefs,

am Tag unseres großen Festes, des 50-jährigen Jubiläums der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in unserer Landeskirche, lesen wir als Losung im Losungsbüchlein:

Gelobt sei Gott, der unser Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von uns wendet. (Psalm 66.20)

Schön wäre es, denkt jetzt vielleicht so manches unter Ihnen. Habe ich nicht gebetet und nichts hat sich verändert? Meine Sehkraft hat weiter nachgelassen, der von mir geliebte Mensch ist dennoch im Leiden geblieben. Gottes Güte? Wie oft habe ich gedacht, er sei mir ferne, so ferne. Von seiner Güte konnte ich nichts erkennen. Gott loben, nein, das fällt nicht immer leicht. Ob es wohl auch diese Erfahrung gewesen ist, die den blind gewordenen Pfarrer Gerhard Kumpf die Blindenarbeit in Württemberg gründen ließ? Diese innere Not von Menschen mit den quälenden Fragen: Ist mein Gebet vergeblich? Bin ich von Gott vergessen? Warum ich, was habe ich nur getan? Diese seelische Belastung, die zu der äußeren Not des körperlichen Leidens mit seinen schwerwiegenden Folgen für die Lebensgestaltung kommt.

Pfarrer Kumpf konnte sagen: „Gott hat den Blinden im Land etwas Besonderes tun wollen. Darum hat er ihnen einen Pfarrer gegeben, der ganz zu ihnen gehörte.“ Ihm wurde wohl zum Erleben, was gewiss zuvor schon zu seinen Erfahrungen in der Seelsorge gehörte: das Wunder, dass Menschen meinten, von Gott vergessen und mit ihm fertig zu sein, und die sich dann doch immer wieder in neuem Gottvertrauen vorfanden; deren Leben in Fragen und Zweifel und auch Verzweiflung geführt wurden, und die sich doch wieder in der getrosten Zuversicht des Glaubens vorfanden; in deren Leben es Zeiten gab, in denen sie meinten, nicht mehr beten zu können, und die sich dann doch zum eigenen Erstaunen beten, mit Gott reden, ihm dennoch ihre Not und ihre Hoffnung sagen hörten.

Wie viele mögen es in den vergangenen 50 Jahren gewesen sein, die diese Erfahrung gemacht haben? Ihr Leben hatte sich so ganz anders gestaltet, als sie es sich gewünscht hatten. Und dennoch können sie sagen und gegenüber anderen bekennen, was der Psalmbeter in die Worte fasste: Gelobt sei Gott, der unser Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von uns wendet. Das bei Zusammenkünften des EBSW aus dem Munde von blinden Menschen, sehbehinderten Menschen, ihren Angehörigen zu hören, schenkte auch mir Mut und war Stärkung für meinen Glauben. Ich denke, auch manchem von Ihnen.

Und auch dieses, dass blinde Menschen, sehbehinderte Menschen, ihre Angehörigen von sich weg sehend für andere beten können. Dass sie in der vertrauensvollen Hoffnung des Glaubens das Leben von Menschen vor Gott bringen, denen in ihrer Not alles hoffnungslos erscheint. Sie selbst haben wohl erlebt, wie sie Gottes Güte in ihrer Verzweiflung, in ihren Fragen, in den Ängsten, im Denken an die Zukunft erfahren durften durch Menschen, die für sie in besonderer Weise zu Wegbegleitern, ja zu neuem Leben geworden sind. Menschen, denen von Gott die notwendige Liebe zugeflossen ist, um seine Liebe und seine Güte an andere in ihrer Not weiter zu geben.

Feiern wir in unserem Fest zum 50-jährigen Jubiläum mit dankbaren Herzen, dass Pfarrer Kumpf gebetet und gearbeitet hat, damit so viele im Christlichen Blindendienst (CBD, später EBSD und jetzt EBSW) einander Beter, Weggefährten, Hilfe sein konnten, Boten der Liebe Gottes. Vertrauen wir darauf, es ist so auch in der Zukunft. Darum: Gelobt sei Gott, der unser Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von uns wendet.

Gotthilf Baumann

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