Das Logo des EBSW

Evangelischer
Blinden- und
Sehbehindertendienst
Württemberg e.V.

Internationales Blindenzeichen

EBSW in Punktschrift

Diakonisches Werk Württemberg

Startseite

Kalender

Kontakt

Spenden

Impressum

Datenschutz

EBSW – Wort auf den Weg 2/2026

Liebe Mitglieder und Freunde des EBSW,
liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer ist endlich da und damit meine liebste Jahreszeit! Endlich ohne Jacke draußen unterwegs und den warmen Wind auf der Haut spüren! Endlich genießen, was unser kleiner Gemüsegarten uns schenkt: süße Erdbeeren, Salat und saftige Gurken, und dazwischen die herrlich duftenden Blumen, die nur aus Gottes Gnade und ganz bestimmt nicht durch meine nachlässige Pflege gewachsen sind.

An diese Blumen musste ich denken, als einer meiner Söhne nach den Pfingstferien enttäuscht festgestellt hat, dass erst zu Erntedank wieder ein Kirchenfest auf uns wartet. Es stimmt: Nach den vielen Feiertagen in der Passions- und Osterzeit, über Himmelfahrt und Pfingsten werden wir kirchlicherseits nach dem Trinitatisfest in eine lange Sommerpause entlassen.

In dieser Pause liegt auch eine große Chance, die schon der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt erkannt hat: Mit Ostern und Pfingsten im Rücken sind wir gestärkt, uns selbst auf den Weg zu machen: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben!“ So beginnt sein bekanntes Sommerlied, das er 1653 als Pfarrer in Mittenwalde gedichtet hat.

Wenn man die Biographie von Paul Gerhardt kennt, erscheint es umso erstaunlicher, dass gerade er diese poetischen Worte in sich gefunden hat, um die Schönheit und den Reichtum der Welt um ihn herum zu beschreiben. Sein Leben war seit frühester Kindheit vom 30-jährigen Krieg geprägt. Früh hat er seine Eltern und Geschwister verloren, und wo er später auch hinkam, sind ihm Hunger, Krankheit und Kriegstraumata begegnet. Er hat in einer Welt gelebt, an der er zurecht hätte verzweifeln können.

Doch Paul Gerhardt hat trotz oder gerade deshalb auch das andere wahrgenommen: Die Bäume in reichem Laub, Narzissen und Tulpen, Lerche und Taube, selbst die Bienen – sie alle singen vom nicht enden wollenden Kreislauf des Lebens. Sie alle zeigen, dass zwischen den Trümmern und Gräbern, in all der menschengemachten Not, noch immer Gottes Geist am Wirken ist. Und er lässt sich anstecken von diesem Geist des Lebens: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen! Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“

Im Sommer sind wir eingeladen, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen und mit allen Sinnen wahrzunehmen, wie das Leben pulsiert und immer weitergeht.
Wir sind eingeladen, uns der Freude der ganzen Schöpfung anzuschließen.

Dass das Leben manchmal eine ganz schöne Herausforderung sein kann, wissen wir alle. Auch Paul Gerhardt hat das nur zu gut gewusst. In seinen überschwänglichen Worten höre ich den Widerstand gegen die Verzweiflung an dem, was wir nicht ändern können. Denn die Sonne scheint trotz allem, die Blumen duften auch in diesem Jahr wieder, und niemand wird die Vögel am Singen hindern können.

So viel Optimismus trägt nicht jeder in sich, auch nicht unser Liederdichter. Und so bittet er in der 13. Strophe: „Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe! Gib, dass der Sommer deiner Gnad‘ in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Pracht des Sommers in den vielen wunderbaren Eindrücken der Natur Gottes reichen Segen finden können!

Pfarrerin Dina Streib (Kirchenbezirk Heidenheim)

nach oben

© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 25.8.2026