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EBSW - Bericht von der Wanderfreizeit 2017

Unterwegs auf dem Härtsfeld

Vor 15 Millionen Jahren raste ein Basaltbrocken von über einem Kilometer Durchmesser auf die Ostalb zu, explodierte in einem riesigen Bombentrichter, schmiss ganze Berge in die Luft und hinterließ einen glühend heißen „See“ aus angeschmolzenen verschiedenen Gesteinen, welchen wir heute als Nördlinger Ries kennen.

Auf und aus einem dieser wunderbar versetzten Berge errichteten später Benediktinermönche eine Kirche samt großem Kloster.

Und dann kamen wir: Nämlich 24 Blinde, Sehbehinderte und Sehende in fünf Autos am Montag, 8. Mai 2017, alle ziemlich genau um 12 Uhr mittags bei kaltem Nieselregen. Die alten und neuen Bekannten zu hören und zu sehen wärmte die Herzen und half, die Führung in der kalten Klosterkirche bis zum Genuss heißen Kaffees durchzustehen. Abends brachte uns Dorothees Impuls zu angeregten Gesprächen über Gott und seine Schöpfung.

Wir haben viel gelernt und auch geleistet bei dieser Wanderfreizeit. Dorothee Hahn hatte sie sorgfältig vorbereitet und ein spannendes Programm organisiert. Und wir hatten es mit engagierten Referentinnen und Führern zu tun, denen es gelang, alle unsere Sinne anzusprechen. Die Klosterkirche beeindruckte durch ihre hallende Weite und die großartigen Deckenfresken des Malers Knoller. Wir hörten dort auch den zarten Gesang der neun Mönche.

Die Wanderung am Dienstag bot asphaltierte, geschotterte, grasige und weiche Wald- und Feldwege, dazu Vogelgesang und Erzählungen des Albführers Wegemann über die Geschichte der Landschaft. Und dann gab es ein leicht kühles, aber schmackhaftes Picknick am Härtsfeld-See. Zurück an der Klosterpforte eröffnete uns unser Guide, dass wir 17,3 Kilometer gewandert seien. Wir waren angenehm müde und diskutierten abends im Klosterkeller darüber, wie Menschen mit verschiedenen Religionen einander respek-tieren.

Am Mittwoch wanderten wir durch ein sonniges Nördlingen, bestaunten die prächtigen Häuser der alten Messestadt, vernahmen etwas über die Schrecken der Schlacht von Nördlingen 1634, hörten das Klappern des Storchenpaars auf dem Brot- und Tanzhaus und umrundeten die Stadt auf ihrer Ringmauer. Im Rieskratermuseum erlebten wir den großen Rums in Ton und Bild mit, bekamen verschiedene Impaktgesteine und einen Meteoriten in die Hand und hatten in unsrer Führerin eine geduldige und kompetente Gesprächspartnerin. Dabei haben wir auch gelernt, dass der Herr Shoemaker aus den Vereinigten Staaten als erster auf den Gedanken kam, dass das Riesgestein Suevit auf den Einschlag eines Himmelskörpers zurückzuführen sei.

Im Ries sieht man den erhöhten „Daniel“ (Kirchturm) der evangelischen Sankt-Georgs-Kirche von überall her, so auch vom Ipf. Auf den führte uns am nächsten Tag Frau Hahn aus Baldern und ließ uns am Leben der Kelten unter und auf dem Ipf teilhaben. In ihrer Tasche fand sich neben einigen Steinen, einem Belemniten, Bohnerz und antikem Geschirr auch die Gewandfibel eines Kindes in Form einer winzigen Gans. Wir überwanden 200 Höhenmeter und hatten von oben einen phantastischen Ausblick auf das Ries und seinen Kranz von Bergen und Hügeln. Unten weideten Auerochsen auf einer nassen Wiese. Später fuhren wir noch einem touristischen Hinweis auf eine „Ameisenstadt“ nach. Wir fanden sie tatsächlich. Es handelt sich um eine Wacholderheide mit Hunderten von Ameisenhaufen. Zum Glück ist niemand drüber gestolpert.

In der Abschlussrunde am Freitag dankte Dorothee allen Chauffeuren und der ganzen Gruppe für das gute Miteinander. Wir sprachen uns dafür aus, dass eine weitere Wanderfreizeit vier Übernachtungen enthalten solle, und Udo dankte ihr für ihren enormen Einsatz. Sie gab uns eine kindlich-witzige Beschreibung des Menschen mit auf den Weg und die anrührende Geschichte eines frommen Juden, der bei Regen einem betenden Moslem den Schirm hielt.

Nächstes Jahr vielleicht am Bodensee ein Wiedersehen.

Dr. Ernst Worbs

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© 2014 by EBSW | Zuletzt geändert am: 8.7.2018